Con-Takt Junior 2021

Der neunjährige Nikolas Graf, Schüler der Geigenklasse Mag. Andrea Mugrauer-Beis der Musikschule Gerasdorf, wurde am 25. September 2021 von einer Jury aus ViolinprofessorInnen der Universität der Künste Berlin und GeigenbauerInnen von 28 jungen GeigerInnen beim Wettbewerb con-takt Junior erstgereiht.

Ziel des Wettbewerbs ist die Förderung junger, begabter MusikerInnen durch Leihgaben von hochwertigen Kinderinstrumenten: 2021 wurden 18 Geigen und Bögen zur Verfügung gestellt. Für seine Leistung bekommt Nikolas die nächsten beiden Jahre eine Meistergeige vom Geigenbauatelier Andrew Finnigan & Pia Klaembt aus Bremen und einen Geigenbogen von Klaus Grünke (Gesamtwert 15.000 €) kostenlos zur Verfügung gestellt. Das Brandenburger Tor bei Nacht und ein Zoobesuch gemeinsam mit seinen Eltern waren nach all der Aufregung und Spannung die Belohnung für den glücklichen jungen Künstler.


Nikolas‘ Bericht über seine Berliner Reise

Vor einigen Monaten kam meine Geigenlehrerin Andrea zur Überzeugung, dass es vielleicht bald an der Zeit wäre, auf eine bessere Geige umzusteigen. Aus diesem Grund erzählte sie mir von einem einzigartigen Wettbewerb in Berlin, bei dem hochwertige Kindergeigen an die Preisträger vergeben werden. Sie musste mich nicht lange zur Teilnahme überreden. Ich war sofort begeistert. Die Möglichkeit, die Hauptstadt Deutschlands zu besichtigen, erschien mir dabei fast ebenso verlockend wie die Aussicht auf eine klangvollere Geige.

Das einzige Problem war nun, dass ich dafür auch meine zunächst noch eher skeptischen Eltern überzeugen musste. Eine Herausforderung, die sich immerhin eher leicht bewältigen ließ. 

Schnell fand sich ein zehnminütiges Programm aus zwei unterschiedlichen Stücken, die ich den Sommer über ehrgeizig einstudierte. Mit jedem Tag rückte das große Vorspiel näher und die Übezeiten wurden entsprechend länger. Die Ferien vergingen – wie immer – viel zu schnell und kaum hatte die Schule begonnen, blieben mir nur noch wenige Wochen zur Vorbereitung. 

Und dann ging es auch schon gemeinsam mit meinen Eltern nach Berlin. Am Vortag des Wettbewerbs hatte ich ein Treffen mit dem Korrepetitor, um noch gemeinsam mit ihm zu proben. Danach, sozusagen als „Belohnung“ wartete der Tiergarten auf mich. Die Anlage war wunderbar gepflegt, und die Tiere zeigten sich alle aus nächster Nähe. Doch damit war der Tag noch lange nicht zu Ende, denn am Abend gab es ein Eröffnungskonzert mit drei Preisträgern des letzten Jahres. Gleich anschließend wurden alle zu vergebenden Geigen von einer Professorin kurz angespielt. Eigentlich klangen alle Instrumente schön, und ich freute mich schon darauf, sie bald selbst ausprobieren zu können.

Am nächsten Tag wurde es dann richtig spannend. Der große Auftritt stand unmittelbar bevor. Ich durfte mich in einem eigenen Zimmer aufwärmen und einspielen, nutzte die Zeit aber auch noch zum Lesen – auf diese Art kann ich mich normalerweise am besten entspannen -, ehe ich von einem Jurymitglied aufgerufen wurde. 

Als ich den Saal mit meiner Geige betrat und auf die Bühne stieg, blickte mir eine achtköpfige Jury, die sich – wohl coronabedingt – über den gesamten Saal verteilte, interessiert entgegen. Die Situation an sich war schon sehr spannungsgeladen. Und dann musste ich auch noch stimmen. Ziemlich aufregend, wenn man bedenkt, dass ich dabei noch nie komplett auf mich allein gestellt war.  

Gleich anschließend begann das Vorspiel des Pianisten und schließlich durfte ich endlich loslegen. Dank der intensiven Vorbereitung verflog die Spannung schnell. Selbst als ich zwischen den beiden Stücken abermals stimmen musste, ließ ich mich nicht aus der Ruhe bringen. Dennoch war ich nach dem Vorspiel spürbar erleichtert. 

Der schwierigste Teil stand jedoch immer noch bevor. In den sogenannten Favoritenräumen hatte jedes Kind die Möglichkeit, alle Geigen auszuprobieren und dabei eine Favoritenliste zu erstellen. Bei einem Raum mit zehn Geigen und verschiedenen Kindern, die mehr oder weniger gleichzeitig versuchten, angestrengt ihre Favoriten herauszufiltern, indem sie wie wild die lautesten und schwierigsten Passagen ihrer eingeübten Stücke fiedelten, keine leichte Aufgabe. Kaum war diese Herausforderung endlich bewältigt, kamen die Bögen an die Reihe, wo es auch nicht gerade einfacher wurde. 

Als alles erledigt war, ließ sich der Berlinaufenthalt erst richtig genießen. So durfte ich mich im Naturkundemuseum an wunderbaren Funden wie dem Berliner Exemplar von Archaeopteryx erfreuen. Am späten Nachmittag stieg die Spannung allerdings wieder zusehends, denn die Preisverleihung rückte immer näher.

Dann war es so weit. Zunächst wurden die ½-Geigen vergeben, anschließend kamen die ¾-Geigen an die Reihe. Manche Kinder bekamen Bögen, andere Geigen und die besonders Glücklichen durften sich über beides freuen. Eine Geige nach der anderen fand einen neuen Besitzer, doch mein Name wurde nicht und nicht erwähnt. Am Ende war nur noch eine einzige ¾-Violine übrig. Da ich mit meinem Auftritt eigentlich sehr zufrieden war, hatte ich mir große Hoffnungen gemacht, ebenfalls mit einer hochwertigen Geige nach Hause fahren zu können, doch nun begann ich langsam zu zweifeln und wurde zunehmend nervöser. Plötzlich löste sich die aufgebaute Anspannung mit einem Mal, als nun doch ENDLICH mein Name aufgerufen wurde. 

Voller Stolz betrat ich die Bühne und nahm zufrieden das Instrument entgegen. Und es kam sogar noch besser. Begeistert stellte ich fest, dass es sich dabei nicht nur um meine absolute Lieblingsgeige handelte. Zusätzlich wurde ich auch noch mit meinem Wunschbogen ausgestattet. Ein voller Erfolg! Vor lauter Freude bemerkte ich zunächst gar nicht, dass sich auch der Geigenbauer Andrew Finnigan schon zu mir gesellt hatte, um mir zu gratulieren.

Als wir den Veranstaltungssaal verließen, war es schon längst dunkel geworden, doch das hielt uns nicht davon ab, unsere Stadtbesichtigung fortzusetzen. So kam es, dass wir uns spätabends direkt neben dem hell erleuchteten Brandenburger Tor zur Feier des Tages ein großes Stück Torte gönnten.   

Der gesamte Berlinaufenthalt war ein großartiges Erlebnis und ich möchte mich bei allen bedanken, die mir dies ermöglicht haben.